Landkärtchen

Araschnia levana

Landkärtchen 1

Saisondimorphismus

Es ist schon bemerkenswert und besonders, dass sich die im Frühling fliegenden Falter im Aussehen so sehr von denen im Sommer unterscheiden, dass man sie fast für zwei verschiedene Arten halten könnte. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass das jeweilige Aussehen abhängig ist von Tageslänge und Temperatur: Im Frühjahr schlüpfen die Falter aus Puppen, die den Winter überdauert haben. Sie entwickeln sich bei kürzeren Tagen und niedrigeren Temperaturen. Dadurch entsteht die Frühlingsform: eher orange mit dunklen Flecken. Die Nachkommen dieser Generation wachsen im Sommer bei langen Tagen und höheren Temperaturen auf. Diese Bedingungen „schalten“ gewissermaßen ein anderes Entwicklungsprogramm ein, sodass die Sommerform entsteht. Dieses Phänomen nennt man auch Saisondimorphismus.

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Herkunft des Namens

Der Name „Landkärtchen“ bezieht sich auf das Aussehen der Flügelunterseite. Die feine weiße Zeichnung wirkt wie ein Netz aus Linien – ähnlich einer Landkarte. Diese „kartenartige“ Musterung hat dem Falter nicht nur seinen deutschen Namen gegeben – im Englischen heißt die Art „map“ und im Französischen „La Carte géographique“.

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Mineralstoffquelle

Manchmal entdeckt man Landkärtchen und auch andere Schmetterlinge (auf dem Foto gemeinsam mit einem Admiral), die mit ausgefahrenem Saugrüssel auf Kot sitzen. Aber warum tun sie so etwas Unappetitliches? Kot (genauso wie Schlamm, Schweiß oder Aas) enthält Mineralsalze und Stickstoffverbindungen, die in Blütennektar kaum vorkommen. Sie sehen also im Kot eine Art Mineralstoffquelle und nutzen diese

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Das schmeckt mir

Landkärtchen saugen den Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Besonders beliebt sind die kleinen, nektarreichen Blüten verschiedener Doldenblütler wie zum Beispiel Bärenklau, Engelwurz und Wiesenkerbel. Auch die offenen, relativ leicht zugänglichen Blüten ohne tiefere Blütenröhren wie die von Disteln, Brombeeren, Holunder und Wasserdost werden regelmäßig angeflogen.

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Hilf mir!

Bei den Raupen von Schmetterlingen gibt es Arten, die an vielen verschiedenen Pflanzen fressen (polyphag) und andere, die auf ganz bestimmte Futterpflanzen angewiesen sind (monophag). Nur dort, wo die entsprechende Pflanzenart vorkommt, kann sich also die jeweilige Schmetterlingsart auch entwickeln. Für viele Schmetterlinge sind Brennnesseln von großer Wichtigkeit: In unseren Breiten fressen die Raupen von etwa 50 verschiedenen Schmetterlingsarten. Und 11 Arten leben sogar ausschließlich an dieser Pflanze. Dazu gehören so populäre Arten wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral, C-Falter und Landkärtchen. Gönnen wir ihnen doch eine Brennnesselecke im Garten!

Landkärtchen
Landkärtchen 6

Steckbrief

Insektenordnung

Schmetterlinge, Lepidoptera

Markenzeichen

Im Frühjahr oberseits braunorange mit schwarzer und weißer Fleckenzeichnung. Im Sommer oberseits schwärzliche Grundfärbung mit weißer Bindenzeichnung und rötlichen Flecken

Nahrung

Nektar verschiedener Blütenpflanzen

Flügelspannweite

30 bis 40 mm

April bis September

Wald- und Wegränder, Parks und Gärten

Doppelgänger

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Landkärtchen
Araschnia levana
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Kleiner Fuchs
Aglais urticae
Auch der Kleine Fuchs ist auf den ersten Blick ein überwiegend orangefarbener Schmetterling mit schwarzer Fleckenzeichnung und ähnelt damit der Frühjahrsform des Landkärtchens. Typisch für den Kleinen Fuchs sind dessen blaue Punktreihen an den Enden von Vorder- und Hinterflügel.

Landkärtchen – Raupe

Araschnia levana

Landkärtchen 1

Warum bist du so stachelig?

Die verzweigten Dornen am Körper der Raupen wirken wie als Abschreckung für Fressfeinde, zum Beispiel Vögel. Sie machen es schwerer, die Raupe zu schlucken und sehen zudem „gefährlich“ aus. Viele Räuber vermeiden solche stacheligen Beutetiere lieber, um kein Risiko einzugehen. Zusätzlich helfen die Dornen bei der Tarnung: Zusammen mit der dunklen Färbung erinnern die Raupen an abgestorbene Pflanzenteile. Das macht es für Feinde schwierig, sie als Beute zu erkennen. Kurz gesagt: Die Dornen sind eine Kombination aus Abwehr und Tarnung, die die Überlebenschancen der Raupen deutlich erhöht.

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Landkärtchen 6

Steckbrief

Insektenordnung

Schmetterlinge, Lepidoptera

Markenzeichen

schwarz mit weißen Pünktchen und verzweigten Dornen am Körper. Ähnlich der Raupe vom Tagpfauenauge, aber mit schwarzen Dornen am Kopf

Nahrung

Brennnesseln

Länge

bis 30 mm

Mai – August

an schattigen und halbschattigen Brennnesselvorkommen

Entwicklungsreihe

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Hallo! Es ist Ende April und der Löwenzahn steht in voller Blüte. Hier siehst Du meine Mutter bei der Suche nach Nektar.
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Nachdem sie sich mit meinem Vater gepaart hat, fliegt meine Mutter an eine schöne kräftige Brennnesselpflanze im Halbschatten. Sie weiß ganz genau, was ihre Kinder -c die Raupen – gerne fressen. Du siehst hier, wie sie ihre Eier auf die Unterseite eines Brennnesselblattes anlegt.
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Sie klebt Ei für Ei in richtige kleine Türmchen zusammen – sehen die nicht toll aus!
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Nach einiger Zeit schlüpfen meine Geschwister und ich aus den Eiern, zurück bleiben die turmförmig angeordneten leeren Eihüllen. Anfangs bleiben wir alle zusammen und fangen sofort an, leckere Brennnesseln zu futtern. Nix anderes schmeckt uns.
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Mittlerweile bin ich schon ganz schön groß geworden und sehe mit meinen Stacheln und Dornen ziemlich gefährlich aus. Das mache ich extra, damit Vögel ein bisschen Angst vor mir haben und mich nicht fressen.
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Schließlich wird es Zeit für mich, das Leben als Raupe zu beenden und erwachsen zu werden. Als erstes verwandele ich mich dazu in eine Puppe, die reglos an einem Pflanzenhalm hängt. Aber täusche Dich nicht: Im Innern baut sich mein gesamter Körper völlig um.
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Und da bin ich wieder – als wunderschöner Schmetterling, der seine Puppenhülle verlassen hat. Aber nanu: ich sehe ja ganz anders aus als meine Mutter. Weil die Tage länger und die Temperaturen höher sind, sind wir im Sommer dunkler gefärbt als unsere Eltern im Frühjahr.
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Wir genießen die Sommermonate, flattern fröhlich umher und saugen leckeren Blütennektar. Und schließlich finden wir einen Partner, legen wie unsere Mütter im Frühling Eier auf die Unterseite eines Brennnesselblattes, aus denen dann unsere Nachkommen – winzig kleine Räupchen – schlüpfen.
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Mittlerweile ist es herbstlich geworden und meine Kinder fressen den ganzen Tag Brennnesseln, um groß und kräftig zu werden.
Landkärtchen 21Vollbildansicht öffnen
Die Tage werden kürzer, es wird kühler und die Brennnesseln welken langsam und schmecken nicht mehr so richtig gut. Höchste Zeit sich ein letztes Mal zu häuten und sich zur Puppe zu verwandeln. So überdauern wir den ganzen Winter, bis der ewige Kreislauf im zeitigen Frühjahr wieder von vorne beginnt.